Weiter auf Expansionskurs

Die Schweinefleisch-Industrie ist kurz davor, ihre tierquälerischen Vollspaltenböden EU-weit als »beste verfügbare Technik« anerkannt zu bekommen.
Straathofs Schweine-Imperium ist weiter auf dem Vormarsch.
LANDWIRTSCHAFTLICHE FERKELPRODUKTION DEUTSCHLAND ist der neue Name seiner Holding.
LFD
Die Alt Telliner Regenwasserrückhaltebecken sind leer und duften in der Hitze des Tollensetals.
Die hiesige Gülleproduktion ist schwer zu stoppen…

ZZN (Komprimat)

zurück zur naturRenaturierung versiegelter Altlasten fördern um Kompensationsflächen für weitere Versieglung zu schaffen, flankiert durch die vom Doppelkopfminister berufene Perspektivkommission und ihrem zu erstellenden Masterplan für die MV-tut-gut-Landschaft.

Zurück zur Natur

tim to be kingIn der letzten Landtagssitzung vor der Sommerpause im Kinderland MV klagte der amtierenden Doppelkopfminister Dr. Till Backhaus: Täglich schrumpft die hiesige Landwirtschaft um ca. 14 Fußballfelder. Der aktueller Wink mit dem Torpfosten kam spät, 20 Jahren nach Rio und zehn Jahre nach dem Beschluß der Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie zur Reduktion des Flächenverbrauchs. Doch nicht zu spät, wenn hier die Welt wirklich 50 Jahre später untergeht. Der Großteil der Beschäftigten hat sich aber schon vom Acker gemacht und damit die Flächeninanspruchnahme pro Einwohner (Freizeitparks, Autobahnbau, Gewerbegebiete auf grüner Wiese… ländlicher Wegebau) weit über den bundesdeutschen Durchschnitt steigen lassen. Hinterblieben sind 6.500 brachliegende Grundstücke mit abrissreifen Gebäuden. Sie sollen in einen Flächenpool deponiert und künftig verstärkt für naturschutzfachliche Kompensationsmaßnahmen zur Verfügung stehen. Wie das Renaturierungspotential der Schandflecken konkret aktiviert werden könnte, zeigte sofort das aktuelle Landesverschönerungsprogramm „Nordmagazin“:
Schon mehrfach ausgestrahlte Filmaufnahmen der alten Schweinemastruine in der Gemeinde Alt Tellin begleiteten die Nachricht vom Verbrauch der täglichen 14 Fußballfelder bis zur Kernaussage des Beitrags: „…ungenutzte Gebäude und Flächen sollen dafür der Natur zurückgegeben werden“. Die dort inzwischen wachsende Baustelle für Europas größte Ferkelfabrik ist überregional bekannt. Hier wurden 7 ha Ackerland versiegelt und geschützte Fledermausquartiere abgerissen für eine bodenungebundene Tierproduktion. Die überflüssigen Erdmassen der Schachtarbeiten haben bei ihrer Verklappung im weiteren Umfeld zusätzlich Flora und Fauna begraben. Welch ein Hohn! Für das Ausbringen von 60.000 qm Gülle wurden Abnahmeverträge vor der Baugenehmigung verbindlich festgelegt. Verbindliche Flächen für Kompensationsmaßnahmen des geplanten Schadens durch den Bau der Ferkelfabrik fehlen dagegen. Der vom Backhausministerium mit 1,5 Mill.€ zu fördernde Kompensationspool darf nicht zu klein ausfallen, damit die Industriealisierung der Agrarwirtschaft weiter auf akzeptablen Wachstumskurs bleibt.
Die erfolgreiche Genehmigungsplanung für die Sauenkonzentrationsanlage kam von der Landgesellschaft MV mbH. Das gemeinnützige Siedlungsunternehmen des Landes, im Sinne des Reichssiedlungsgesetzes vom 11.08.1919 anerkannt, beschleunigt heute den bisher ungebremsten Bevölkerungsverlust in urbane Ballungszentren durch die Ansiedlung von Massen anderer armer Schweine.
Und um die Akzeptanz für dieses System zu erhöhen, soll jetzt ein Masterplan für Agrar- u. Ernährungswirtschaft her. Er ist das wichtigste Vorhaben für Backhaus in dieser Legislaturperiode. „Zukunft aus eigener Kraft“ steht über der Präambel der Koalitionsvereinbarung seiner amtierenden Regierung. Darüber muß sich jetzt kein Schwein mehr eine Platte machen, wenn es mal brennen sollte im modernen Massenquartier am Tollensetal. Die faulen Schweine brauchen nicht mehr mit der Fluchtgeschwindigkeit ihrer wilden Verwandschaft von 55 kmh in 10 min ins Freie stürmen. Ein neues Brandschutzgutachten gestattet ihnen, weiter auf der faulen Haut zu liegen und abzuwarten, bis die Freiwillige Feuerwehr das was eh nicht brennen kann gelöscht hat. Diesen Erfolg konnte ein Vertreter der BI „Rettet das Landleben am Tollensetal“ im Bauausschuß verkünden. Auch ehrenamtliche Bauberatung kann zur Perfektionierung der Agrarindustrie beitragen. Die dreißigköpfige Perspektivkommission für Backhaus Masterplan wird das hoffentlich zu schätzen wissen.
Ja, solange der rosarote Mr. Pig auf der grünen Woche freien Auslauf hat brauchen wir uns um unsere Zukunft keine Sorgen machen. Denn auch in der Finanzkrise bleibt Nachwuchs ein schützenswertes Gut. Zwangsmaßnahmen müssen nicht nur für 10.000 Sauen akzeptabel sein.

guten appetit

Alternativlos?

Auch 50 Jahre nach dem Mauerbau gilt das sich hier nach einer friedlichen Revolution frei entfaltete beste aller Schweinesysteme immer noch als alternativlos: Capitalism: Erst kommt das Fressen, dann kommt die Moral!
Im Rahmen der weltweiten Finanz u. Schuldenkriese nimmt Europas geplante größte Ferkelfabrik Konturen an. Stacheldraht umschließt schon fasst das gesamte Baugelände. Hundezwinger werden errichtet. Es ist offensichtlich, hier entsteht eine Schweinekonzentrationsanlage, die von der Bevölkerung nicht gewollt wird. Und viele andere sollen folgen…
wiez
Diese Veredlung des ganzen Landes wurde von einer christlichen Glaubenspartei beschlossen:
Ihr Spitzenkandidat der CDU MV, der oberste Polizeichef Lorenz Caffier, hat anlässlich des 50. Jahrestages des Mauerbaus am 13. August die zentrale Bedeutung von Demokratie und Rechtsstaatlichkeit unterstrichen: „…Wir wissen: Freiheit muss auch heute immer wieder aufs Neue gegen die Feinde der Demokratie verteidigt werden.
 Insofern wird der 13. August auch in Zukunft für die CDU ein Tag des ehrenden Gedenkens bleiben, der aber in Verbindung mit dem Fall der Mauer auch ein Tag der Hoffnung und der Verpflichtung ist, für die Freiheit einzustehen.“
Doch davor steht die Qual der Wahl. Das gemeinsame Bindeglied der 3 großen Volksparteien in MV ist immer noch der so genannte Bauernverband. Dieser Lobbyverein der Agrarindustrie lässt keine ernsthafte Opposition im platten Land zu. Hier, wo ein Landkreis DM unter der Losung antrat: „Wo in Zukunft die Zukunft ist“, wird massiv auf Verdummung und Gleichschaltung gesetzt. Und so stehen im entsiedelten ländlichen Raum, falls irgendwann auch in deutschen Ballungszentren soziale Unruhen englische Auswüchse annehmen sollten, die sich zum Flächenbrand entwickeln könnten, modernste bestens überwachte Massenquartiere zur Rundumbetreuung der aufmüpfigen Überbevölkerung bereit. Hier muss niemand unter freiem Stadionhimmel in der Sonne brutzeln oder im Regen stehen.
Ja, heute kann anders auf unverbesserliche gutgläubige Anhänger der Demokratie reagiert werden als im damals sozialistischen Chile. Dennoch werden in den modernen Konzentrationsanlagen auch Kollateralschäden in Kauf genommen.
10.500 Muttersauen und 35.000 Ferkel sollen im Brandfall mit 55 km/h in 10 Minuten aus der Anlage fliehen können. So will es das vom amtierenden sozialdemokratischen Ministerpräsidenten versprochene rechtsstaatliche Genehmigungsverfahren. Wie weit diese Werte von Menschen zu unterbieten wären, sei dahingestellt.
Bleibt also nur die Hoffnung, dass die dafür zuständigen Entscheidungsträger irgendwann selbst hinter Gitter kommen?

alles hat ein ENDE,

Es geht auch hier immer noch um die Wurst. Die geweckten Bedürfnisse der Moderne sind stetig gewachsen, die Ressourcen dafür schwinden zusehends. Der Treibstoff für die Wachstumsbeschleunigung soll neu erschlossen werden. Fleischexport muss sich auch energetisch rentieren. Millionen Tonne Getreide werden verfeuert, Güllegasanlagen schießen wie Pilze aus dem Boden. Das Schicksal noch ungeborener Verwertungstiere scheint für alle Zeiten besiegelt. Die Massen armer Schweine kann im Katastrophenfall natürlich niemand evakuieren. Genehmigungen für Megaställe ohne Brandschutzkonzepte für das darin wachsende Fleisch sind keine Ausnahme.
Die in Massenquartieren erfrorenen Überlebenden der gewaltigen Katastrophe im hochindustrialisierten Japan werden weltweit bedauert. Die Opfer des normalen Hungers im Rest der Welt sterben unbeachtet an den Folgen unserer modernen Lebensweise.

Wachse oder weiche, ist die platte Parole aller amtierenden Regierungsparteien nicht nur in Wahlkampfzeiten. Auch den deutschen Exportprodukten müssen Opfer gebracht werden. Weltweit werden in jedem zweiten Mastbetrieb keimtötende Medikamente zum schnelleren Wachstum gefüttert mit der Folge, dass sich Keime entwickeln, bei denen die keimtötenden Medikamente nicht mehr wirken. Es droht die Gefahr der Fusion zum Superkeim. Experten gehen davon aus, dass deutschlandweit jährlich 400.000 bis 600.000 Infektionen durch multiresistente Krankenhauskeime verursacht werden. Bis zu 15.000 Patienten sterben daran. Die Techniker Krankenkasse fordert Meldepflicht für Antibiotika-resistente Keime, ohne aber auf den Zusammenhang zur Massentierhaltung hinzuweisen.
Ja, nicht nur die Atomlobby versucht unsichtbare Gefahren zu ignorieren. Aber wie man von Japan lernen könnte: lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende!

Feinplanung

„Zeit für deutliche Worte“ heißt das Motto nach 100 Jahren Frauentag morgen zum traditionellen merkelschen Aschermittwoch im schönen Landkreis DM. Mehr als 1.000 Gäste erwartet Deutschlands Kanzlerin in der umgebauten Tennishalle. Hier wurden zum Auftakt der Finanzkrise mehr als 700 Einwände gegen eine industrielle Abferkelfabrik für 10.000 Säue am Tollensetal erörtert.
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Inzwischen ist so einiges den Bach runtergegangen. Selbst der strahlende Verteidigungsminister hat seine Immunität aufgeben müssen. Die Würdigung der Einwände wurde jedoch schon im vergangenem Jahr abgeschlossen. Am Tag der untergegangenen Republik wurde die Baugenehmigung für den Saustall erteilt. Fussbälle als Beschäftigungsmaterial haben sich auch bei den Sauen bewährt. Der glückliche Schweineproduzent hatte noch vor knapp 5 Jahren in der Gemeindevertretung behauptet, dass er sich einen anderen Standort für seine Ferkelfabrik suchen werde, wenn es Widerstand gegen seine Pläne gäbe. Das war nicht nötig. Ein paar Kilometer weiter östlich konnte er sogar ohne Kadaverhaus drauflosproduzieren. Und nachdem er kürzlich vom Landesverwaltungsamt Halle einen Bußgeldbescheid von ca. 500.000 € € wegen Schwarzbauerei erhielt, ging er am hiesigen Standort in die Feinplanung. Schwere Technik sorgte fünf Tage vor dem Inkrafttreten des neuen Bundesnaturschutzgesetzes für Luft und Licht in Fledermausquartieren. Hier soll eine Güllegasanlage die erwartete Gewinnmarge heben helfen. Der Landesbauernverband begrüßt das Vorhaben. Die Veredlungsindustrie soll sich entfalten, ganz egal, was es kostet. Am 1. April ist Baubeginn! Diese frohe Botschaft aus dem Kreis DM musste noch vor Aschermittwoch raus. „Begeisterung für Ferkel“ kennt keine Grenzen.

FLURBEREINIGUNG

Es geht ein Mann durch das bunte Land, die Messkette hält er in der Hand.
Sieht vor sich hin und sieht sich um: „Hier ist ja alles schief und krumm!“ Er misst wohl hin und misst wohl her: „Hier geht ja alles kreuz und quer!“ Er blickt zum Bach im Tale hin: „Das Buschwerk dort hat keinen Sinn!“… poetisierte ein deutscher Heimatdichter noch vor dem Ausbruch des ersten Weltkriegs. Die Neuaufteilung der Welt für die Zukurzgekommenen blieb nicht folgenlos. Nach bedingungsloser Kapitulation ging im Westen die Dollarsonne auf und die goldenen Fünfziger versprachen eine strahlende Zukunft.
»Wir wollen unsere bäuerlich-mittelständische Landwirtschaft erhalten und weiterentwickeln! Wir wollen keine Amerikanisierung der Landwirtschaft« verkündete der deutsche Bauernpräsident Sonnleitner vor der weltgrößten Messe für Agrarindustrie Grüne Woche 2011. Und weiter fabulierte er: «Vorwürfe, unsere Landwirtschaft würde industrialisiert und wir hätten „Massentierhaltung“ sind mit den Fakten nicht in Einklang zu bringen» Unter dem Motto „Wir haben es satt!“ begleiteten über 22.000 Demonstranten dieses traditionelle Spektakel. Mehr als 10.000 Liter Bier wurden allein in der Länderhalle Mecklenburg – Vorpommern ausgeschenkt.
„MV tut gut“ haben die Produzenten der Ernährungswirtschaft wieder einmal eindrucksvoll bewiesen: Mr. Pig, das zartrosa Kannibalismusmaskottchen erfreute u.a. auch den zuständigen Ministerpräsidenten u. seine junge Frau. Für ein etwas royaleres Traumpaar heißt es jetzt, der Countdown läuft. In weniger als 12 Wochen soll es dem Volk zum Fraß vorgeworfen werden. Friedensaktivisten, die gegen die britische Beteiligung an den Kriegen in Afghanistan und Irak demonstrieren, wollen sich als Fans in der Menge ausgeben und die Hochzeits-Prozession mit Rauchbomben und Blockaden stören. Für diejenigen, die die bürgerlichen Freiheiten beschränken möchten, sind derlei Aktionen ein willkommener Vorwand, um in der öffentlichen Meinung Stimmung gegen jede Form von Aktivismus und zivilem Ungehorsam zu machen. Die Website der ägyptischen Präsidentenresidenz «einem der prächtigsten Paläste der Welt mit seinen Verzierungen, Malereien und zahlreichen Uhren aus purem Gold» wurde vorsorglich vom Netz genommen.

Ägypten ist seit 2010 per Assoziationsabkommen in den EU-Markt integriert, die Brotpreise haben sich verdoppelt u. 30 Jahre Ausnahmezustand klappten um in eine neue Qualität. Einige Jahre vor dem friedlichen Zusammenbruch der ehemaligen deutschen Zonengrenze stickten württembergische Landfrauen eine Fahne, wie sie in ihrer Heimat zuletzt im ausgehenden Mittelalter geschwungen worden war: ein weißes Tuch mit einem schwarzen Bundschuh. Ihre Hoffnung auf eine „planetarische Wende“ in der Agrarpolitik musste sich mit dem Fall der Mauer auflösen. Das schon 1957 in den Römischen Verträgen der EWG proklamierte Ziel der Gemeinsamen Agrarpolitik, die Steigerung der Produktivität der Landwirtschaft durch Förderung des technischen Fortschritts, kann sich heute durch die Freiräume der östlichen Ländereien grenzenlos entfalten. KIM, den Kombinaten industrieller Mast wurde neues Leben eingehaucht.
Blühende Landschaften müssen keine Träume bleiben.
Narkolepsie, auch „Schlafkrankheit“ genannt, gilt bislang als nicht heilbar. „Wir bedauern das wirklich“, erklärte der finnische Generaldirektor Pekka Puska, es gebe einen „wahrscheinlichen Zusammenhang“ zwischen Pandemrix-Impfungen und einer unerwartet hohen Zahl von Narkolepsie-Neuerkrankungen bei Kindern und Jugendlichen zwischen 4 und 19 Jahren.
Ruhet sanft…

Schwarze Schafe, arme Schweine

Die Kanzlerin hat nicht zu viel versprochen.
Deutschland hat die Krise gestärkt überstanden. Aber alles hat seinen Preis. Auch ein Wachstumsbeschleunigungsgesetz. „Schneller leben“ heißt es nicht nur für die armen Schweine, die ihren Weg in die Verwertungsmaschinerie kaum erwarten können. Denn es geht immer wieder um die Wurst. tempoJetzt droht einigen von ihnen die Fettleibigkeit über die erwünschte Norm hinaus. Sie dürfen noch nicht im Kühlhaus gestapelt werden. „Wachse oder weiche“ gilt auf einmal nicht mehr. Jeder Tag zusätzliche Lebenszeit kostet extra. Wenn sich ihr Fleisch im Rahmen der vorhandenen Überproduktion dann nur „noch billiger“ abstoßen lässt, sind auch ihre Mäster gezwungen, in der Herde der schwarzen Schafe mitzulaufen. Wer nicht mithält, landet im Kadaverhaus. Die IHK hat angehenden Existenzgründern in MV schon vor der Jahrtausendwende eine gewisse Schlitzohrigkeit angeraten. Und weil die Wirtschaftskreisläufe sich weiter beschleunigen, müssen auch Unternehmer bisher ungeahnte Grenzen überwinden. Hier kommt dann schnell die sogenannte kriminelle Energie ins Spiel.
Das Wachstumsbeschleunigungsgesetz liefert das gesetzliche Unterfutter. Wer soll es im realexistierenden Schweinesystem irgendjemandem verübeln, wenn er die Kanten der Freiräume ausschöpfen muss. Der Vorsitzende der tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz Blaha, der die Außenstelle für Epidemiologie der Tierärztlichen Hochschule Hannover leitet, benennt den üblichen Weg: „Man könnte beispielsweise belastete mit unbelasteten Eiern vermischen. Damit kämen wir in Verdünnungsstufen, die wir tagtäglich zu uns nehmen. Ähnliches ließe sich auch für Fleischprodukte denken.“ Daran haben sich auch die schwarzen Schafe der Futtermittelproduzenten gehalten. Nur müssen sie sich dabei etwas vertan haben. Die analysierte Futterfett-Probe war mit 123 Nanogramm Dioxin pro Kilogramm belastet – der gesetzliche Höchstwert von 0,75 ng/kg wurde damit um das 164-fache überschritten. Der Ausgangspunkt des Desasters aber sind sogenannte Pflanzenschutzmittel in der Fettsäure, die als Nebenprodukt der Biodiesel-Herstellung zwar zu 100 Prozent natürlichen Ursprungs sind, aber als „technisches Produkt“ verkauft werden. Wo bleibt der Angriff der Verbraucherschutzministerin auf die Pestizidindustrie? Sie plädiert bisher dafür, dass die Gifte getrennte Wege gehen, bevor sie den Verbraucher am Ende erreichen.
Der Trick hat sich schon bei WikiLeaks bewährt, um Spuren zu verwischen. So verschwinden die Dioxinpanscher genauso effektiv wie die Agrarindustrie, die bei Wikipedias „moderner Landwirtschaft“ einfach nicht zu finden ist.

Eiapopeia

Bis zu 80 dioxinverseuchte Eier pro Woche könnte 75 kg Mensch vertragen, erklärte die Verbraucherschutzbehörde der freien Hansestadt Hamburg. Die Bundesverbraucherministerin dagegen hat schon erkannt, dass es auch jenseits von Gesetzesverstößen überhaupt massive Probleme gibt. Doch bevor ihr geplantes Internetportal „Klarheit und Wahrheit“ starten kann, läuft die Lebensmittelindustrie Sturm gegen das Projekt. Die Neoliberalisierer auch der Agrarpolitik haben sich in der neuen Heldenstadt der Schwaben zu ihrem Dreikönigstreffen versammelt. Leckere süßsaure Kaisersülze mit den Spitzen von Schweinelenden sollte man beim Metzger zu Hause kaufen, rät die Christel aus deren Bundestagsfraktion: „Das ist überhaupt ein guter Schutz vor Schmu“. Das Leitbild der deutschen Fleischer für Selbstverständnis und Zukunftsgestaltung ist heute die f-Marke (kursives facebook-symbol in rot). Vereinigt haben sie sich 1875 in Gotha in Anlehnung an das Hauswappen des großen Reformators. Opferlamm und Auferstehungsfahne gehören seitdem zum Zunftzeichen der Fleischerinnung. Im gleichen Jahr am gleichen Ort vereinigte sich auch ein allgemeiner Arbeiterverein mit einer Arbeiterpartei. Die später in SPD umbenannte Partei forderte die „Abschaffung des Systems der Lohnarbeit, die Aufhebung der Ausbeutung in jeder Gesellschaft, die Beseitigung aller sozialen und politischen Ungleichheit“, als Werk der Arbeiterklasse. Obwohl selbst Marx feststellte, dass die Mehrheit des arbeitenden Volkes in Deutschland aus Bauern bestand, sahen sie in diesen nur eine reaktionäre Masse. „Das ärgert mich kolossal“ verkündet der Landwirtschaftsminister dieser Partei in MV, nachdem er 6 Schweinefabriken sperren musste. Noch ehe sich seine angepriesenen Arbeitsplätze der bodenungebundenen Tierproduktion in den hiesigen landeseigenen Aufschwungsprognosen einnisten konnten, ist für ihn jetzt eine Desillusionierungskampagne der besonderen Art angelaufen. „Für mich steckt hier kriminelle Energie dahinter“ muss er erkennen. Eigentlich sollte ein kleiner Ausflug zu den Lubminer Castoren seine Klausur in Greifswald medial aufwerten. Doch Dioxine sind wohl ähnlich schwer zu dirigieren wie Radioaktivität.
Die Suche nach dem Sündenbock ist auch in der globalisierten Welt nicht totzukriegen. Schweine als Abfallverwerter sind von der Entsorgungsindustrie verdrängt worden. Auch Schweizer Futtersuppenhersteller mussten dichtmachen, sonst wäre keine Alpensau mehr auf dem EU-Markt verkaufbar gewesen. Die Schweineproduzenten werden heute anderweitig beliefert. In Deutschland werden Lebensmittel im Wert von 20 Milliarden Euro pro Jahr weggeworfen. Davon lebt ein ganzer Industriezweig. Er steht am Ende einer technischen Nahrungskette. Und an deren Anfang wachsen immer mehr Bioenergiepflanzen auf dem Acker, die so den Futterpflanzenanbau für Mensch und Tier in Drittweltländer verschieben. Wen soll es wundern, wenn die Milliarde Hungernder einfach nicht zu halbieren ist und 100 Millionen Christen zur weltweit am meisten verfolgten Religion gehören?
Die im Zusammenhang mit einem Futtermittelskandal in die Schlagzeilen geratene Petrotec AG erhielt als erster Produzent von Biodiesel aus Müll die ISCC-Zertifizierung. „Es entsteht mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit kein Dioxin innerhalb unseres gesamten Biodieselprozesses“, so endet ihr aktueller Neujahrsgruss an die Geschäftspartner nach Aktienabsturz. Noch kommt 38% alles Erdöls aus Tiefseebohrungen. Ihr Genehmigungsstopp wurde in den USA aufgehoben, obwohl auch nach der Katastrophe keine Vorschrift die von außen manuell zu schaltenden Verschlussklappen in den Steigleitungen zwingend vorschreibt.
Die Interessen der agrochemischen Industrie in Deutschland vertritt er Industrieverband Agrar e. V. (IVA). Auf der Grünen Woche heißt das Motto seines Messeauftritts „Pflanzenschutz. Sichere Ernten. Sichere Lebensmittel“. Das Motto einer Demo vor der weltgrößten Verbrauchermesse könnte etwas über diesen Tellerrand hinaus reichen: „WIR HABEN ES SATT!“
Die Glaskuppel über der Immunität der Volksvertreter wurde schon im alten Jahr wegen Terrorwarnung dichtgemacht. Im neuen Jahr 2011 sollen ein Viertel bis ein Drittel aller in Deutschland ansässigen Personen zu Zwangsbefragungen aufgesucht werden. Sie müssen im Einzelfall “Erkundigungen” im familiären und nachbarschaftlichen Umfeld dulden. „Vertrauen ist gut, Kontrolle ist besser.“

Advent, Advent…

Die dunkle Zeit hat ihren Höhepunkt fast erreicht. Der strahlende Westmüll ist auf dem Weg nach Norden.
Der UN-Klimagipfel hat seine eigenen Regeln ignoriert und den internationalen Klimaschutz wiederbelebt. Die mexikanische Präsidentschaft habe einen Schuss freigehabt, «und der hat gesessen» betonte der deutsche Umweltminister. Die betroffene Delegation Boliviens kündigte an, gegen diese Vergewaltigung vor dem Internationalen Gerichtshof in Den Haag zu klagen. Ein UN-Tribunal für »Klimagerechtigkeit« und den Verzicht auf »Luxus und Verschwendung« gibt es noch nicht. Auch Mecklenburg- Vorpommern hat noch kein Gesetz zum Schutz von Mutter Erde verabschiedet. „Wir halten starke Reserven aus dem gesamten Bundesgebiet bereit“, teilte der Polizeioberratseinsatzleiter zum Auftakt der Castoranreise mit. “Bei diesem schlechten Wetter kann man nicht mit mehr Leuten rechnen, aber ich bin erfreut über die Leute, die den Weg hierhergefunden haben und das mit großem Ernst verfolgen. Wir können auf Demonstrationstouristen aus anderen Ländern verzichten” sagte der in seinem SPD-Wahlkreis mitdemonstrierende Ministerpräsident. Er fand es schade, dass seine Landesregierung keine rechtliche Handhabe gegen die Transporte hat.
Auch der CDU- Bürgermeister der Telliner Storchenbar war der Meinung, keine rechtliche Handhabe gegen die von der landeseigenen Beratungsgesellschaft LMS geplante u. betreute Güllefabrik zu haben. In den Dörfern seiner Gemeinde müssen die ganze Nacht alle Laternen brennen. Welch kleine Erleichterung der unter Volllast laufenden Atomkraftwerke neben dem gesamtdeutschen Lichtermeer, nicht nur zur Weihnachtszeit.
Eine Ansprache des Landesvaters an die im Regen stehenden Teilnehmer der größten Antiatomdemo Ostdeutschlands war nicht vorgesehen. Vereint in Betrübnis über das schlechte Wetter mit einem Landesverfassungsrichter wurde im Demonstrationszug gegen die höhere Bundespolitik mitmarschiert… trotz der großen Zahl angereister CastorAktivisten.
„Es ist ganz wichtig, dass man gerade in der Weihnachtszeit jenen Anerkennung und Unterstützung gibt, die Tausende Kilometer von der Heimat entfernt einen harten Dienst absolvieren“ erkannte dagegen der Bundesverteidigungsminister, schnappte sich einen Ost- u. einen West- Ministerpräsidenten und flog in dieser Herzensangelegenheit samt Gattin zur Talkshow nach Afghanistan.

Barrierefreiheit

Gorlebens Zwischenlagerchef Ölschläger hatte früher selber in einer Bürgerinitiative mitgewirkt um den DDR-Staat zu verändern.
Heute stellt er fest, dass bei den AKW-Gegnern kein Umdenkprozess stattgefunden hat. Sein Interesse gilt dem Sterben der Sterne. Sternenleben hängt mit Radioaktivität zusammen. Er hat schon in der DDR gelernt, mit der Strahlung umzugehen. Kernenergie ist für ihn kein Irrweg sondern genauso Mittel zum Zweck wie für die in Moskau studierte Physikerin die jetzt den strahlenden Westabfall ins Bundesland ihres Wahlkreises dirigiert.
Der Weg zurück in den Osten ist frei. Der polnische Papst hat den Eisernen Vorhang aufgezogen. Die Soziale Marktwirtschaft konnte einmarschieren.
Der deutsche Papst relativierte das Verhütungsverbot. Auf halbem Weg zur nächstöstlichen Hauptstadt breitet der weltgrößte Jesus seine Arme aus, der neue Schutzpatron einer Kleinstadt. Seine Halbwertszeit könnte nach Ansicht polnischer Bauexperten, die eines Castorbehälters unterbieten. Noch gut 100 km weiter östlich soll ein altes Atomkraftwerk reaktiviert werden. Der süße Brei muss die Wirtschaft ankurbeln. Egal, ob Atomkraft oder Massentierhaltung Bedenken erzeugen, diese dürfen letztendlich nicht den Investoren im Wege stehen. Und so werden Ängste gegen das Unsichtbare radioaktiver Strahlen und multiresistenter Keime kriminalisiert, wenn sie sich organisieren.
Die Terrorgefahr nimmt zu, wird verkündet. Armeeeinsatz im Inneren ist in Deutschland kein Tabuthema mehr. Wem tut es gut, wenn die sozialen Zusammenhänge der Gesellschaft demontiert werden?
Während sich das Volk in Haiti gegen Cholera-Blauhelmsoldaten wehrt, hat der US-Präsident vor dem Weißen Haus einen Truthahn begnadigt – und hatte sichtlich Spaß dabei. 1300 km muss der Durchschnitts-US-Bürger fliegen, bis er seinen flugunfähigen Thanksgivingvogel zwischen die Zähne bekommt.
Der aus Millionen Todeskandidaten auserwählte Gnadenhahn aber heißt Apple.

Pille danach

„Wir kommen jetzt mit der G20 von der Phase der absoluten Krisenbewältigung in die Phase, was wird die G20 auf der Ebene der Staats- und Regierungschefs sein, wenn die Krise vorbei ist“, erklärte Frau Merkel auf dem Gipfel. Sie und Chinas Hu sind das mächtigste Paar der Welt.
Exportweltmeister aller Länder vereinigt euch.

Gute Hoffnungen hat es zu allen Zeiten gegeben. So konnte sich am Vortag der gefeierten Friedlichen Revolution erstmals das Bedingungslose Grundeinkommen als Kulturimpuls öffentlich im Bundestag entfalten. Diese Tat der parteilosen Tagesmutter aus dem Tollensetal konnte nicht folgenlos bleiben: Die amtierende Bundesregierung hält die mit der Einführung eines bedingungslosen Grundeinkommens verbundene „völlige Umstrukturierung des Steuer-, Transfer- und Sozialversicherungssystems“ für falsch, darf der Parlamentarische Staatssekretär beim Bundesministerium für Arbeit und Soziales auf der Webpräsenz des Bundestages verkünden: „Problematische Auswirkungen auf Arbeitsanreize“ seien zu erwarten.
Diese Regierungsposition steht also offiziel fest, bevor die Petition ordnungsgemäß zum Abschluss gebracht wurde, ein schöner Beleg für die praktizierte „lebendige Demokratie“.
Und im Nordmagazin aus dem „MV tut gut-Land“ erfährt man: Wenn Kinder träumen, wünschen sie sich das Schlaraffenland… und wenn Erwachsene träumen, dann…, ja dann erfährt niemand dass es möglich wäre, sich ein eigenes Bild zu machen. Der NDR verschweigt die Möglichkeit, auf der Website des Bundestags die komplette Anhörung im Film zu verfolgen. Der Vorschlag, das Land MV oder den Kreis DM als Modellregion des Grundeinkommens auszuprobieren, bleibt so verborgen.
Es ist offensichtlich nicht erwünscht, dass die Landeskinder bemerken, wie der ländliche Raum stabilisiert werden könnte, wenn ein BGE eingeführt würde. Der Vormarsch der Schweinefabriken darf nicht aufgehalten werden. Billige Zwangsarbeiter hoffen auf einen Job. Die erneuerbaren Energien als Stärke des Landes sollen herausgestrichen werden. In den ausgeräumten Landschaften sollen jetzt mehr Menschen auf Plakatmotiven zu sehen sein, beschlossen die landeseigenen Image-Werber. Im Genussland für große Gefühle stehen jährlich zwei Millionen Euro der Bündelung von Tourismusverband und des Agrarmarketings zur Verfügung.

„Keine Wendemöglichkeit“
, steht unter der Berliner Bösebrücke in den Westen, daneben gab`s Landjuwel-Wurst am neuen Gedenk-Ort des Mauerfalls.