Schwarze Schafe, arme Schweine

Die Kanzlerin hat nicht zu viel versprochen.
Deutschland hat die Krise gestärkt überstanden. Aber alles hat seinen Preis. Auch ein Wachstumsbeschleunigungsgesetz. „Schneller leben“ heißt es nicht nur für die armen Schweine, die ihren Weg in die Verwertungsmaschinerie kaum erwarten können. Denn es geht immer wieder um die Wurst. tempoJetzt droht einigen von ihnen die Fettleibigkeit über die erwünschte Norm hinaus. Sie dürfen noch nicht im Kühlhaus gestapelt werden. „Wachse oder weiche“ gilt auf einmal nicht mehr. Jeder Tag zusätzliche Lebenszeit kostet extra. Wenn sich ihr Fleisch im Rahmen der vorhandenen Überproduktion dann nur „noch billiger“ abstoßen lässt, sind auch ihre Mäster gezwungen, in der Herde der schwarzen Schafe mitzulaufen. Wer nicht mithält, landet im Kadaverhaus. Die IHK hat angehenden Existenzgründern in MV schon vor der Jahrtausendwende eine gewisse Schlitzohrigkeit angeraten. Und weil die Wirtschaftskreisläufe sich weiter beschleunigen, müssen auch Unternehmer bisher ungeahnte Grenzen überwinden. Hier kommt dann schnell die sogenannte kriminelle Energie ins Spiel.
Das Wachstumsbeschleunigungsgesetz liefert das gesetzliche Unterfutter. Wer soll es im realexistierenden Schweinesystem irgendjemandem verübeln, wenn er die Kanten der Freiräume ausschöpfen muss. Der Vorsitzende der tierärztlichen Vereinigung für Tierschutz Blaha, der die Außenstelle für Epidemiologie der Tierärztlichen Hochschule Hannover leitet, benennt den üblichen Weg: „Man könnte beispielsweise belastete mit unbelasteten Eiern vermischen. Damit kämen wir in Verdünnungsstufen, die wir tagtäglich zu uns nehmen. Ähnliches ließe sich auch für Fleischprodukte denken.“ Daran haben sich auch die schwarzen Schafe der Futtermittelproduzenten gehalten. Nur müssen sie sich dabei etwas vertan haben. Die analysierte Futterfett-Probe war mit 123 Nanogramm Dioxin pro Kilogramm belastet – der gesetzliche Höchstwert von 0,75 ng/kg wurde damit um das 164-fache überschritten. Der Ausgangspunkt des Desasters aber sind sogenannte Pflanzenschutzmittel in der Fettsäure, die als Nebenprodukt der Biodiesel-Herstellung zwar zu 100 Prozent natürlichen Ursprungs sind, aber als „technisches Produkt“ verkauft werden. Wo bleibt der Angriff der Verbraucherschutzministerin auf die Pestizidindustrie? Sie plädiert bisher dafür, dass die Gifte getrennte Wege gehen, bevor sie den Verbraucher am Ende erreichen.
Der Trick hat sich schon bei WikiLeaks bewährt, um Spuren zu verwischen. So verschwinden die Dioxinpanscher genauso effektiv wie die Agrarindustrie, die bei Wikipedias „moderner Landwirtschaft“ einfach nicht zu finden ist.


1 Antwort auf „Schwarze Schafe, arme Schweine“


  1. 1 Timo 11. Januar 2011 um 0:09 Uhr

    Gefaellt mir sehr die Seite. Gute Themenwahl.

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