Archiv für Juni 2012

ZZN (Komprimat)

zurück zur naturRenaturierung versiegelter Altlasten fördern um Kompensationsflächen für weitere Versieglung zu schaffen, flankiert durch die vom Doppelkopfminister berufene Perspektivkommission und ihrem zu erstellenden Masterplan für die MV-tut-gut-Landschaft.

Zurück zur Natur

tim to be kingIn der letzten Landtagssitzung vor der Sommerpause im Kinderland MV klagte der amtierenden Doppelkopfminister Dr. Till Backhaus: Täglich schrumpft die hiesige Landwirtschaft um ca. 14 Fußballfelder. Der aktueller Wink mit dem Torpfosten kam spät, 20 Jahren nach Rio und zehn Jahre nach dem Beschluß der Nationalen Nachhaltigkeitsstrategie zur Reduktion des Flächenverbrauchs. Doch nicht zu spät, wenn hier die Welt wirklich 50 Jahre später untergeht. Der Großteil der Beschäftigten hat sich aber schon vom Acker gemacht und damit die Flächeninanspruchnahme pro Einwohner (Freizeitparks, Autobahnbau, Gewerbegebiete auf grüner Wiese… ländlicher Wegebau) weit über den bundesdeutschen Durchschnitt steigen lassen. Hinterblieben sind 6.500 brachliegende Grundstücke mit abrissreifen Gebäuden. Sie sollen in einen Flächenpool deponiert und künftig verstärkt für naturschutzfachliche Kompensationsmaßnahmen zur Verfügung stehen. Wie das Renaturierungspotential der Schandflecken konkret aktiviert werden könnte, zeigte sofort das aktuelle Landesverschönerungsprogramm „Nordmagazin“:
Schon mehrfach ausgestrahlte Filmaufnahmen der alten Schweinemastruine in der Gemeinde Alt Tellin begleiteten die Nachricht vom Verbrauch der täglichen 14 Fußballfelder bis zur Kernaussage des Beitrags: „…ungenutzte Gebäude und Flächen sollen dafür der Natur zurückgegeben werden“. Die dort inzwischen wachsende Baustelle für Europas größte Ferkelfabrik ist überregional bekannt. Hier wurden 7 ha Ackerland versiegelt und geschützte Fledermausquartiere abgerissen für eine bodenungebundene Tierproduktion. Die überflüssigen Erdmassen der Schachtarbeiten haben bei ihrer Verklappung im weiteren Umfeld zusätzlich Flora und Fauna begraben. Welch ein Hohn! Für das Ausbringen von 60.000 qm Gülle wurden Abnahmeverträge vor der Baugenehmigung verbindlich festgelegt. Verbindliche Flächen für Kompensationsmaßnahmen des geplanten Schadens durch den Bau der Ferkelfabrik fehlen dagegen. Der vom Backhausministerium mit 1,5 Mill.€ zu fördernde Kompensationspool darf nicht zu klein ausfallen, damit die Industriealisierung der Agrarwirtschaft weiter auf akzeptablen Wachstumskurs bleibt.
Die erfolgreiche Genehmigungsplanung für die Sauenkonzentrationsanlage kam von der Landgesellschaft MV mbH. Das gemeinnützige Siedlungsunternehmen des Landes, im Sinne des Reichssiedlungsgesetzes vom 11.08.1919 anerkannt, beschleunigt heute den bisher ungebremsten Bevölkerungsverlust in urbane Ballungszentren durch die Ansiedlung von Massen anderer armer Schweine.
Und um die Akzeptanz für dieses System zu erhöhen, soll jetzt ein Masterplan für Agrar- u. Ernährungswirtschaft her. Er ist das wichtigste Vorhaben für Backhaus in dieser Legislaturperiode. „Zukunft aus eigener Kraft“ steht über der Präambel der Koalitionsvereinbarung seiner amtierenden Regierung. Darüber muß sich jetzt kein Schwein mehr eine Platte machen, wenn es mal brennen sollte im modernen Massenquartier am Tollensetal. Die faulen Schweine brauchen nicht mehr mit der Fluchtgeschwindigkeit ihrer wilden Verwandschaft von 55 kmh in 10 min ins Freie stürmen. Ein neues Brandschutzgutachten gestattet ihnen, weiter auf der faulen Haut zu liegen und abzuwarten, bis die Freiwillige Feuerwehr das was eh nicht brennen kann gelöscht hat. Diesen Erfolg konnte ein Vertreter der BI „Rettet das Landleben am Tollensetal“ im Bauausschuß verkünden. Auch ehrenamtliche Bauberatung kann zur Perfektionierung der Agrarindustrie beitragen. Die dreißigköpfige Perspektivkommission für Backhaus Masterplan wird das hoffentlich zu schätzen wissen.
Ja, solange der rosarote Mr. Pig auf der grünen Woche freien Auslauf hat brauchen wir uns um unsere Zukunft keine Sorgen machen. Denn auch in der Finanzkrise bleibt Nachwuchs ein schützenswertes Gut. Zwangsmaßnahmen müssen nicht nur für 10.000 Sauen akzeptabel sein.

guten appetit