Der Oberton der Giftspritze, außerhalb städtischer Grenzen, weckt vor Sonnenaufgang die Bewohner und Gäste im ersehnten Gesundheitsland MV .
Hochtourig beseitigen die verbliebenen Arbeitskräfte ihre Existenzgrundlagen. Im Gegensatz zur auf dem Lande wahrnehmbaren Präsenz von Lärm und Gestank, die in Hochglanzwerbeprospekten ausgeblendet sind, bleibt die Wirkung der Chemiewaffen auf den Feldern in der Regel unbemerkt. Entzündungen der Schleimhäute, Reizhusten u. Magenbeschwerden werden gerne anderen bekannteren Ursachen untergeschoben.
Die US- Entlaubungsaktionen im Vietnamkrieg sind vergessen.
Die wachsende Artenvielfalt der Flora und Fauna in den Städten ist u.a. auch dem Rückzug der Natur aus der Agrarsteppe geschuldet.
Städte werden somit Agrooasen, Refugien für Mensch und Tier.
Inzwischen leben weltweit mehr Menschen in Städten als auf dem Lande.
Die Landeshauptstadt will das Großereignis BUGA nutzen, um möglichst viele Neu-Schwerinerinnen und -Schweriner anzulocken:
„Anlegen und Festmachen“ heißt die neue Kampagne für den Wohnstandort Schwerin.

es stinkt zum himmel
Die weitere Entsiedlung der ländlichsten Räume beschleunigt sich.
Der weiteren Veredelung ehemaliger Kulturlandschaften wird somit das Widerstandspotential entzogen.
Der Landkreis Demmin, mit einer überdurchschnittlich hohen Dichte an Lenne-Parks, ist im BUGA- Konzept der weiße Fleck im Land.
Hier, wo die Bundeskanzlerin traditionell den politischen Aschermittwoch feiert, beginnt sich der Plan vom „Gülleland-MV“ zu verwirklichen.
Europas größte Ferkelfabrik am Tollensetal soll ihren Beitrag dazu leisten.

straathof
Der Geschäftsführer der Daberkower Landhof AG stellt den Investor der Ferkelfabrik vor: Adrianus Straathof aus Berlin, nein aus Belgien, einen Niederländer…
Ökologische Dreckschleudern*
Laut dem Ökologen Dr. Georg Borgstrom produziert die Viehzucht in den USA zehnmal soviel Müll wie Wohnviertel und dreimal soviel wie die Industrie. (Lappe, die Öko-Diät, 1982). Diese Umweltzerstörung findet überall in den reichen Industrieländern statt, natürlich auch in Europa. Holländische Forscher von der Agrar-Universität Wageningen haben den Zusammenhang zwischen Gülle und Waldsterben untersucht. Sie stellten fest: verdunstende Gülle ist wesentlich mitschuldig am sauren Regen. In Holland geht ein Drittel des Waldsterbens aufs Konto der Massentierhaltung. Mit der Gülle verdunstet das darin befindliche Amoniak. Mit dem Regen fällt es auf Blätter und Nadeln, wandelt sich in Säure um und schädigt so den Stoffwechsel und die Wurzeln. Die Zellen werden nicht mehr richtig ernährt. Als Folge davon sterben die Bäume ab – je nach Art des Baumes, der eine schneller, der andere langsamer. Früher dachte man in Holland, das sei ein regionales Problem. Heute hat man festgestellt, dass die Amoniak-Wolken aus Holland noch bis Lappland nachweisbar sind. (Dr. J.G.M. Roelofs, Agrar-Universität Wageningen). Die Untersuchungen zeigen, dass die Gegenden, in denen Massentierhaltungen angesiedelt sind, am schwersten unter dem Waldsterben leiden. Im holländischen Peelgebiet sollen bereits 97 % des Waldes tot sein.

(Marijke Brundt, Stifung Natur und Milieu)

Der Zusammenhang mit der Viehhaltung ist also unbestritten. Die Forschungen – von der niederländischen Regierung mitfinanziert – sind eindeutig. Wesentlich mitschuldig am sauren Regen ist die Überproduktion von Fleisch. Doch gehandelt wird nur zaghaft, denn Fleisch und Eier sind wichtige Exportgüter dieses kleinen Landes. Die Forscher stellten auch Versuche mit künstlichen Biotopen an. Die einen Biotope wurden mit natürlichem Regenwasser versorgt, dem Wasser der anderen Biotope wurde genau die Menge Amoniak zugemengt, die in Holland aus der Massentierhaltung ausströmt. Das Ergebnis ist deutlich: Während sich in den Biotopen mit gutem Wasser eine reiche Vielfalt von Pflanzen entwickelt hat, haben in den amoniakbelasteten Biotopen nur Pflanzen überlebt, die gegen Stickstoff immun sind. Sie verdrängen und überwuchern alles andere. Das Gleichgewicht ist gestört und genau dieser Vorgang wiederholt sich in freier Natur: in Mooren, auf Äckern und in Waldböden. Das Nitrat aus der Massentierhaltung und der Landwirtschaft ist jedoch auch schon ins Grundwasser eingesickert und von dort in unser Trinkwasser. Die Wasserwerke haben grosse Probleme, da sie die Richtwerte oft nicht mehr einhalten können. Nitrat wirkt sich vor allem auf Säuglinge sehr schädlich aus, bei Kleinkindern kann es die roten Blutkörperchen schädigen und es steht in dem Verdacht, bei Erwachsenen Krebs zu erzeugen. Richtwerte können oft nicht mehr eingehalten werden. Das Beispiel von Wyk auf Föhr, Kreis Nordfriesland ist niederschmetternd. Auf dieser idyllischen Nordseeinsel gibt es keine Industrie, keine Abgase vergiften die Luft, kein Betrieb verschmutzt das Wasser. Dennoch nahm ein Kurgast eine Trinkwasserprobe und fand gesundheitsschädigende Nitratgehalte, die aus der Tierhaltung stammen. Es ist ein Irrtum zu glauben, Nitrat komme nur aus dem Kunstdünger, denn es ist auch in dem natürlichen Düngstoff (der Gülle) enthalten. Solange es noch solche Mengen an Vieh auf der Insel gibt, wird das Problem nicht gelöst werden können und das örtliche Wasserwerk wird immer wieder Gutscheine zum Bezug von Mineralwasser ausgeben müssen, damit Säuglinge nicht krank werden. Sogar das Mineralwasser ist schon betroffen, wie eine Analyse vieler Marken beweist. Laut Peter Meroth (Redaktion Natur) wurden über 200 Mineralwasser geprüft und tatsächlich fanden sich in einigen Marken so hohe Nitratwerte, dass sie die Grenzwerte für Trinkwasser überschritten. Also ist das Grundwasser, das man bis anhin unberührt glaubte, heute teilweise nitratbelastet. Auf lange Sicht sind gesundheitliche Folgen nicht auszuschliessen. Das Nitrat wandelt sich in Nitrit um, und das Nitrit kann zusammen mit Eiweissbestandteilen aus der Nahrung zu den krebsgefährlichen Nitrosaminen reagieren. So vergiftet die Massentierhaltung, die sinnlose Fleischüberproduktion, unsere wichtigste Lebensgrundlage, das Wasser. Zudem verbraucht sie erschreckend viel Wasser. Untersuchungen zeigen, dass die Pflanzenkostproduktion 1200 Liter Wasser pro Tag benötigt, um einen Menschen zu ernähren. Bei Gemischtkost von Tieren und Pflanzen hingegen, benötigt man 10′000 Liter pro Tag, um einen einzigen Menschen zu ernähren. Mit zunehmender Tiermenge legte man immer mehr Maisfelder an, da Mais grosse Mengen an Gülle verträgt. Diese Maisfelder dienten gleich zwei Zwecken: einerseits als „Gülleschlucker“ und andererseits als Futter zur Aufzucht von Vieh. Die Folgen dieser Monokultur sind schlimm. Der Maisanbau fördert die Erosion, und so wird die fruchtbare Erde vom Regen leicht weggeschwemmt. Die Maisfelder werden zudem mit Mengen von Unkrautvertilger gespritzt, der neben der Gülle zusätzlich ins Grundwasser sickert.

* Quelle: Fleisch frisst Menschen, Dokumentarfilm, ARD 1987